Kreisgruppe Steinfurt
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Das Venn als „Welt-Natur-Erbe“

21. Juli 2024 | KG Steinfurt, Lebensräume, Moore, Naturschutz

von Friedel Hesseling

Exkursion ins Emsdettener Venn mit Rainer Seidl

Der Mensch lebt von Erbschaften und hat es dadurch zu Wohlstand und Reichtum gebracht. Legendäre Bauwerke wurden als Kulturgüter zum Weltkulturerbe erklärt oder unter Denkmalschutz gestellt.

Wie ist es aber auf der anderen Seite um die Güter der Natur bestellt? Auch in der Natur gibt es viele Juwelen wie die Moore, die als wertvolles Weltnaturerbe schützenswert sind. „Aber was ist uns diese Erbschaft wert?“  so die Frage, die Rainer Seidl bei seiner naturkundlichen Führung durch das Emsdettener Venn nicht nur am Rande in den Raum stellte. 

Der BUND – Bund für Umwelt und Naturschutz, Kreisgruppe Steinfurt – hatte am 25. Juni 2024 zu einer naturkundlichen Wanderung durch das Emsdettener Venn eingeladen. Hier ging es hauptsächlich um die Wasserhaltung in der Landschaft und die langfristige Sicherung in Zeiten des Klimawandels. Neben Rainer Seidl, Naturexperte (ANTL, NABU und BUND Mitglied) lieferten auch die Vennfüchse Karl Achterkamp und Helmut Linnenbaum als vennkundige Informanten interessante Infos zum aktuellen Zustand des Moores und der angrenzenden Feuchtwiesen.

„Die Rettung der Moore darf keine Preisfrage sein!“, so Hartwig Mennen, der die politische Botschaft des BUND wiedergab. Bei der zweistündigen Wanderung wurden dem interessierten Publikum die spannende historischen Zusammenhänge rund um den heutigen Zustand des Emsdettener Venns vor Augen geführt. Neben des Aspekten des Artenschutzes standen insbesondere der Wasserhaushalt in der Natur und die langfristige Sicherung dieses Naturraums im Focus der Betrachtungen.

Das Emsdettener Venn gilt als ein Aushängeschild des Naturschutzes im Kreist Steinfurt. Vor über 5000 Jahren wurden dafür die natürlichen Voraussetzungen geschaffen, dass am Rande von Emsdetten und anderswo riesige Moorlandschaften entstanden. In den Senken verhinderten wasserfeste Gesteinsschichten das Versickern und schafften dadurch Niedermoore, die vor allem Kohlenstoffe im Boden verfestigten und immer auch ein Eldorado für eine artenreiche Flora und Fauna bildeten.

Schon früh begann der Mensch diesen Naturkreislauf zu durchbrechen. Das wachsende Volk suchte  Platz und Ressourcen, um sich am Leben zu erhalten. Und da man bekanntlich Geld nicht essen kann, verkaufte man die Naturschätze, wandelte hier den wertvollen Moorboden in Ackerland um und verheizte den Torf. Aber das Ergebnis zeigt am Ende eine desaströse Ökobilanz. Da es bekanntlich nichts umsonst gibt, wurde und wird für den Ausgleich in naturkompatibler Währung eine Abrechnung den nächsten Generationen überlassen.

„An diesem Zeitpunkt stehen wir heute. Wir müssen mehr tun, um die Moore zu erhalten oder zu revitalisieren“, so Rainer Seidl, der bei der Wanderung seinen Vortrag mit spannenden Anekdoten, wie dem Fund einer Moorleiche oder dem permanenten Kampf mit der Landwirtschaft würzte. „Jeder kann bei den Entbirkungs- und Entkusselungsaktionen im Herbst und Winter aktiv mitanpacken“, so der Vorschlag der Vennfüchse. „Aber zudem ist die Sicherung des Moorschutz eine gesellschaftliche und damit politische Zukunftsaufgabe“, dies als die politische Botschaft des BUND bei dieser Wanderung.

Das Emsdettener Venn als kleine Restoase in der Natur zeigte sich an diesem hochsommerlichen Tag in bester Laune. Die trockenen Jahre sind scheinbar überwunden und in den aufgestauten Gräben und Blänken zeigen sich die Torfmoose bei der Blüte. Aber doch auffällig die vermeintliche Ruhe, nur wenige Vögel waren zu hören, keine Uferschnepfe, kein Brachvogel, Kiebitz oder Bekassine zeigten sich am Wegesrand. Wohl war es denen zu heiß an diesem Sommertag.

Im September hält Rainer Seidl einen Vortrag zum Wasserrückhalt in der Fläche. Der Termin und der Ort werden noch bekanntgegeben.

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