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Pressemitteilung zum Vortrag: Elektromobilität im ÖPNV am Beispiel der Stadt Münster

30. März 2023 | Energiewende, Klimawandel, Mobilität, Nachhaltigkeit, OG Altenberge, Ressourcen & Technik, Vorträge

Ende März wurde in der Kulturwerkstatt einem sehr interessierten Publikum in einem abwechslungsreichen und spannenden reich bebilderten Vortrag die Umstellung der Linienbusse der Stadt Münster auf Elektromobilität vorgestellt.

Vortrag zur Elektromobilität im ÖPNV am Beispiel der Stadt Münster. Vortrag zur Elektromobilität im ÖPNV am Beispiel der Stadt Münster.

Von Diesel auf Elektro umsteigen – klingt im ersten Moment recht einfach. Die gewaltigen Herausforderungen für ein Verkehrsunternehmen wurden von dem Referenten, Dr. Georg Scholzen, der Verkehrsbetriebe berät und in entsprechenden Fachgremien arbeitet, detailliert vorgestellt.

Die Einführung der ersten Elektrobusse musste infolge der Komplexität gut geplant und durchdacht sein. Dazu gehörten in der Planungsphase die Entscheidungen welche Schnellladung, ob Depot- oder Streckenladung sowie die Länge der Busumläufe oder auch die Berücksichtigung der Topografie des Geländes. Die im Jahr 2012 erstmalig in Münster eingesetzten fünf Elektrobusse hatten eine maximale Reichweite von etwa 50 Kilometern bei einer Lithium-Batterieleistung von ca. 85 kWh. Daher wurden sie zuerst nur auf der Linie 14 eingesetzt, die an beiden Endhaltestellen Schnellladestationen haben. Dort laden die Busse innerhalb weniger Minuten die Lithium-Batterien voll und starten dann auf die nächste Tour.

Der Referent legte dar, wie in den letzten Jahren die Leistungsfähigkeit der Lithium-Batterien und damit die Umlaufleistung gesteigert wurde: Eine Verdopplung der Batterieleistung von 2012-2015 in drei Jahren. Mittlerweile stehen Lithium-Batterien mit 420-500 kWh Leistung zur Verfügung. Daher werden in den nächsten drei Jahren in Münster über 80 E-Busse angeschafft, so dass dann im Jahr 2025 128 E-Busse im Stadtgebiet unterwegs sein dürften. Das sind dann weit mehr als 50 % der Busse der Münsteraner Verkehrsbetriebe. Dies bedeutet aber auch eine enorm große Energiedichte der Batterien, worauf der Referent auf die damit einhergehenden möglichen Gefahren hinwies.

Um diese zu verstehen, wurde der allgemeine Aufbau der Lithium-Batterien ebenso detailliert erklärt, wie die Gefahren, die sich daraus ergeben können, was auch für die private Nutzung von Bedeutung ist. Dies wurde dem Publikum durch Tipps für den sicheren Umgang mit Lithium-Batterien im privaten Bereich, egal ob beim E-Bike, Laptop oder Handy erläutert. Dadurch erklärt sich auch, warum man sein Handy erst einmal auf Zimmertemperatur akklimatisieren sollte, bevor es an einer Steckdose geladen wird. Allerdings sind die Lithium-Batterien mit anderen Sicherheitssystemen wie im Consumerbereich (handys, E-Bikes, Werkzeug) ausgestattet.

Aufgrund der möglichen Gefahren sind die Überwachung der Lithium-Batterien beim Laden sowie die Ladeinfrastruktur selbst essentiell für einen störungsarmen Betrieb. Wie wichtig dies ist, zeigten diverse Brände in Busabstellhallen in den letzten Jahren, die allerdings mehrheitlich von dieselbetriebenen Bussen verursacht wurden.

Die Fragen aus dem Publikum waren vielfältig, sehr differenziert und führten zu Ausführungen, die weit über die Thematik der Stadtwerke Münster hinausgingen. Aufgrund seiner Expertise konnte der Referent tiefe Einblicke geben, wie sich die zukünftige Situation für E-Busse in Deutschland darstellten wird. Aber auch die Entwicklung im Bereich der Sicherheit von E-Bussen und Busabstellhallen konnte ausgeführt werden, da der Referent in entsprechenden Fachgremien vertreten ist.

Abschließend betonte Dr. Scholzen, dass die meisten Verkehrsbetriebe bis 2030 die Mehrzahl der Flotten auf Elektromobilität umgestellt haben werden. Durch die wesentlich niedrigeren Temperaturen im Motorraum, und der permanenten Überwachung der Lithium-Batterien stellt sich das Brandrisiko sowohl für den einzelnen Bus als auch für die Busabstellhallen wesentlich geringer gegenüber dieselbetriebenen Bussen dar.

Keine Frage blieb offen und die Diskussion wurde auch nach dem offiziellen Ende des Vortrages in Kleingruppen weitergeführt. Der spannende Vortrag hätte mehr als die 30 Teilnehmer verdient.

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